Uralte Handwerkstechnik: Das Nadelbinden

Viele Menschen haben in der letzten Zeit das Handarbeiten für sich wiederentdeckt. Da wird gestrickt, gehäkelt, genäht, gewebt, geknüpft oder geklöppelt. Handarbeitsgeschäfte werden neu eröffnet, auch im Internet blüht der Handel mit Handarbeitsmaterialien. Die Volkshochschulen bieten Kurse von Stricken bis Klöppeln an und die Garnhersteller lassen sich immer neue Muster einfallen, um beispielsweise Socken ein tolles Aussehen zu geben.

Was war vor dem Stricken?

Das Weben, Nähen, Knüpfen und Klöppeln sind Techniken, die schon viele Jahrhunderte bekannt sind. Die ältesten Strickfunde stammen aus der frühmittelalterlichen Zeit, also um das 6. Jahrhundert. Ältere Funde erwiesen sich als nadelgebundene Arbeiten. Das Nadelbinden war schon um den Beginn unserer Zeitrechnung bekannt, es wurde aber schon früh vom Stricken abgelöst und geriet in Vergessenheit. Die nordischen Völker haben es aber von Generation zu Generation weitergetragen und in Skandinavien wird auch heute noch „genadelt“.

Zum Nadelbinden benötigt man eine breite Nadel mit einem großen Öhr, die ungefähr so lang sein muss, wie die eigene Hand breit ist. Auf diese Nadel wird ein langer Wollfaden, der filzbar sein muss, in mehreren Schichten eingefädelt. Zu Anfang macht man in das eine Ende des Fadens einen offenen Knoten, der die Anfangsschlinge darstellt. Diese wird über den Daumen der linken Hand gelegt. Mit der Nadel sticht man nun unten rechts unter dem Faden ein, legt den Faden über den Daumen und führt die Nadel links am Daumen wieder unter den Faden. Nun wird der Faden, der vor dem Daumen liegt, über die neue Schlinge gezogen. Die neue Schlinge wird entsprechend wieder vor den Daumen gelegt. Diese Schritte werden so oft wiederholt, bis man ein genügend langes Band hat, um damit einen Kreis zu bilden. Dann nadelt man auf diese das Band auf. Hierbei geht man eigentlich genauso wie zu Beginn vor, nur dass man die erste Reihe mit einnadelt.

Es hört sich komplizierter an, als es ist. Die Technik hat den Vorteil, dass keine Maschen verloren gehen können, weil man nicht in Schlaufen, sondern in Schlingen arbeitet, die immer wieder festgezogen werden.

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